INTERVIEW MIT SASCHA GRAMMEL

Sascha Grammel Profil FotoKeine Frage, Sascha Grammel ist derzeit der beliebteste und erfolgreichste Star der deutschsprachigen Puppet Comedy. 
Seine bekanntesten Gefährten auf der Bühne sind eine Schildkröte, ein Adler-Fasan und ein Hamburgerbrötchen. Mit ihnen unterhält er inzwischen einen Millionenpublikum im Fernsehen und auf seinen Tourneen. Thomas Hermanns, Chef des Quatsch Comedy Clubs sagt exklusiv zu Hello-Comedy über ihn: „Sascha Grammel macht hochprofessionelle echte Familienunterhaltung. Was heißt das: Er schließt niemanden aus, er ist kindlich genug und gleichzeitig schlau genug und er hat echte Wärme – auch als privater Mensch, denn das kann man nicht faken. Deshalb ist er so erfolgreich.“ – Wir sprechen mit dem Hochgelobten über seine Arbeit.

Hello-Comedy (H-C): Hallo Sascha! Ja, was soll man sagen, die Menschen lieben dich und deine kleine Truppe. Wie hältst du diese Sympathie-Welle aus?
Zunächst freue ich mal wahnsinnig darüber! Und bedanke mich! Denn normal ist das ja nicht, dass inzwischen so viele Menschen – freiwillig! – vorbeikommen, um einem erwachsenen Mann dabei zuzuschauen, wie er mit sich selbst redet. Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, als ich vor gar nicht allzu vielen Jahren noch mit meinen Puppen durch die Clubs tingelte und in Läden mit achtzig Stühlen auftrat, wo dreizehn besetzt waren. Da hört sich Applaus gleich ganz anders an.
Und wenn ich, wie jetzt, am neuen Programm „Ich find’s lustig!“ arbeite, wird einem sehr schnell bewusst, dass man sich keine Sekunde auf den bisherigen Erfolgen ausruhen kann, sondern sich jeden Lacher wieder neu und hart erarbeiten muss. Das erdet einen wieder.

H-C: Wann und wie kamst du zur Bauchrednerei?
Wir rempelten am Spandauer Bahnhof zufällig aneinander und waren uns gleich sympathisch.
Nein, ganz so war’s dann doch nicht…
Wie einige andere Kollegen auch, habe ich meine ersten zaghaften Schritte auf die Bühne mit mehr oder weniger originellen Zaubertricks gemacht. Das war zu Beginn natürlich nicht immer perfekt. Bei einigen Verwandten möchte ich mich an dieser Stelle auch dafür nochmals in aller Form entschuldigen, aber der Anfang war gemacht. Und das Bauchreden war dabei zunächst eine von mehreren vorgetragenen „Illusionen“ am Abend.

Komischerweise hatten die Zuschauer – und ich – schnell am Puppenspiel und dem Bauchreden den allermeisten Spaß und so wurde Stück um Stück das Zaubern immer weniger und das Bauchreden immer mehr. Wichtig war mir aber gleichzeitig, nicht alte, ausgelatschte Bauchredner-Klischees zu bedienen, das x-te emotionslos-hektische Zotteltier auf dem Arm zu halten und einen Standard-Kalauer nach dem anderen abzureißen, sondern stattdessen neue Wege zu gehen, den Puppen eine echte Persönlichkeit, Lebendigkeit und einen nachvollziehbaren, menschlichen Charakter zu geben. Und wenn ich mir heute anschaue, dass viele Zuschauer in meinem „KEINE ANHUNG“-Programm zum Beispiel beim kleinen „Willst Du mein Freund sein“-Liedchen von Schildkrötendame Josie Tränen in die Augen bekommen, ist mir das wohl auch ganz gut gelungen. Aber wie gesagt: Die Latte liegt hoch, diese Emotionalität auch mit den anderen Figuren immer wieder neu zu erreichen.

Sascha Grammel mit Schildkröte 690x460

 

H-C: Das Herrliche an deinen Puppen ist ja, dass sie sich anarchisch an nichts halten. Was können sie, was du als Sascha Grammel nicht ausdrücken kannst?
Natürlich können Puppen direkter sein als ich. Auch ruhig mal ein bisschen unverschämt, frech und undiplomatisch, weil ihnen das niemand übel nimmt. Aber das wäre mir als einziger Plot zu langweilig. Da finde ich es doch interessanter, wenn die Puppen auch mal beginnen, ihre eigene Existenz in Frage zu stellen oder sich bei mir zum Beispiel über die in ihren Augen sinnlosen Texte beschweren oder sich bessere Features (Gelenke, Augen, usw.) wünschen. Und man merkt, dass es auch bei den Puppen eine Unterscheidung zwischen „Bühnenfigur“ und „Privatleben“ gibt. Ganz so, als würden sie bei mir „ihren Job machen“ und nach der Show nach Hause gehen und dort ein anderes, nicht öffentliches Leben führen. Das geht dann manchmal weit ins Skurrile und Alberne, aber das Publikum liebt es.

H-C: Dein digtaler Auftritt mit Website und Apps ist herausragend gut. Wie wichtig ist dieser Kanal für dich? Kommt Social Media für dich auch als Finanzierung – beispielsweise für einen Kinofilm – in Frage?
Ich selbst verbringe sehr viel Zeit „im Netz“. Zuviel, wie Familie, Freunde und Management mir sicher zurecht immer wieder vorwerfen. Aber ich mag die großen, kommunikativen Möglichkeiten von sozialen Netzwerken. Außerdem gibt es nichts direkteres, als Fans und Interessierte z.B. über Facebook über kurzfristig freigewordenen Kartenkontingente, krankheitsbedingte Absagen, Terminverschiebungen oder auch Gastauftritte in verschiedenen TV-Sendungen zu informieren. Inzwischen habe ich treue 1,3 Mio Facebook-Freunde und habe eine eigene Grußkarten-App. Das macht mich schon ein wenig stolz. Und da Grafikdesign zudem mein privates Steckenpferd und zweite große Leidenschaft ist und ich an allen Entwicklungen (nicht immer zur Freude der „Profis“) mit kreiere, ist es dann natürlich noch umso schöner, wenn auch die Web-Auftritte auf soviel Begeisterung und Zustimmung stoßen.

H-C: Wir empfehlen natürlich allen deine Live-Auftritte. Sind neue Figuren im Anmarsch?
Aber natürlich! Neben den „big three“ Adlerfasan Frederic Freiherr von Furchensumpf, Schildkrötendame Josie und dem Hamburger Ökotrophologen und Bestsellerautor Professor Hacke haben sich ja schon beim aktuellen „KEINE ANHUNG“-Programm neue Charaktere wie der vier- bis sechsarmige Außerirdische Herr Schröder mit Sternschnuppe Ursula, die glupschäugige Strumpfsocke Außer Rüdiger und jede Menge türkisfarbener Showhühner ihr Publikum erspielt. Und so darf man sich auch bei „Ich find’s lustig!“ natürlich wieder auf einige wilde Überraschungen freuen. Auch dieses Mal hat mein kleiner Grammel-Zoo wieder Zuwachs bekommen, und gleichzeitig wird man die bekannten Puppen zum Teil in vollkommen neuen Rollen erleben. Dazu legen wir grad noch letzte Hand an dem tollen neuen Bühnenbild an, komponieren eifrig Musiken und ich verhandle parallel mit Frederic, ob mein oder sein Name oben auf den Plakaten steht. Ab 27. Januar 2016 geht’s dann wieder auf Tour. Nur soviel vorweg: ICH FIND’S LUSTIG!

Weitere Informationen zu Sascha Grammel gibt es auf seiner Website und die aktuellen Tourdaten stehen hier.